Stadt der Zukunft: 15-Minuten-Paris

Junge Menschen fahren mit Fahrrädern durch Paris

Wie schafft man es, eine Großstadt wie Paris lebenswerter zu gestalten?

Zum Beispiel indem Bürgerinnen und Bürger alle Dinge des täglichen Lebens innerhalb von kurzer Zeit mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichen können. Dadurch können private Fahrten mit dem PKW deutlich reduziert werden, lokale Unternehmen werden gefördert und das Verantwortungsbewusstsein für das eigene Viertel wird gestärkt.

Die Idee für eine lebenswertere Stadt

Anne Hidalgo ist seit 2014 Bürgermeisterin von Paris. Sie hat besonders im Bereich Mobilität viele Änderungen umgesetzt. Das zeigte Wirkung. Zum Ende ihrer ersten Amtszeit war die Anzahl der Radfahrer um 54 Prozent gestiegen und der Autoverkehr um 8 Prozent zurückgegangen. In diesem Jahr trat sie erneut an, mit einem noch radikaleren Programm: der 15-Minuten-Stadt. Die Idee geht zurück auf Prof. Carlos Moreno, der an der Sorbonne das Institut ETI – Entrepreneuriat, Territoire, Innovation – leitet. Das Institut beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem unternehmerischen Handeln und dessen geografischem Umfeld.

Vier Highlights der 15-Minuten-Stadt

  • Autofreie Zonen

Über 100 Straßen in Paris sind nur Fußgängern zugänglich. Unter dem Namen „Paris atmet“ sind in einigen Quartieren seit Mai 2016 die Straßen an Sonn- und Feiertagen für den motorisierten Verkehr gesperrt. In vier Stadtbezirken ist jeweils der erste Sonntag im Monat nur für Fußgänger und Radfahrer da und an einem Tag im Jahr ist Paris sogar komplett autofrei. Zusätzlich werden Stadträder an 1400 Stationen verliehen – 30 Prozent davon sind elektrisch.

  • Kultur vor Ort

Kultur soll für alle schnell erreichbar sein und Schulen sowie Minderheiten besser eingebunden werden. Außerdem werden Kultureinrichtungen so finanziert, dass sie hohe Nachhaltigkeitsstandards umsetzen können.

  • Innovative Gebäudekonzepte

Unter Anne Hidalgo wurden Unternehmen und Organisationen aufgefordert für insgesamt 23 Gebäude neue innovative Nutzungskonzepte zu entwickeln. Die Stadt verkauft oder vermietet die Gebäude unter Marktpreis, die Bieter finanzieren im Gegenzug den Unterhalt der Gebäude. Verkauft oder vermietet wird nur, wenn die Bieter ein überzeugendes Konzept vorlegen können.

  • Micro Gardening

Paris fordert seine Bürgerinnen und Bürger zum Gärtnern auf – und das ganz offiziell. Mit der „Erlaubnis zum Gärtnern“, die 3 Jahre gültig ist und danach einfach verlängert werden kann, dürfen an vielen öffentlichen Standorten Gärten angelegt werden. Personen, die eine Erlaubnis beantragen, müssen sich allerdings an einige Standards halten, sie dürfen keine Pestizide nutzen und sollten auf eine bienenfreundliche Bepflanzung achten.

Erfolgsfaktoren für die Umsetzung des Konzepts

Neben der Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Extrafahrstreifen für Fahrgemeinschaften oder Busse wurde vor allem in den Radverkehr investiert. Für den Plan Vélo wurden 60 Millionen Euro bereitgestellt. Außerdem werden für 20 Mrd. Euro neue Sozialwohnungen gebaut; eine Milliarde Euro pro Jahr ist für die Verschönerung der Quartiere geplant. Außerdem gibt es in jedem Bezirk eine zentrale Ansprechpartnerin oder einen zentralen Ansprechpartner für die Nachbarschaft. Zudem wird die Polizei gestärkt, die Regeln in den Bezirken durchsetzen soll. Zur Belebung der lokalen Wirtschaft und der Quartiere sollen Erdgeschosse vor allem an Arztpraxen, Kulturvereine und Geschäfte verkauft und vermietet werden. Das lokale Handwerk soll gestärkt und das Label „Made in Paris“ als Qualitätsmerkmal ausgebaut werden.

Was kann Hamburg von Paris lernen?

„Zwischen den dicht gebauten Häusern in Paris findet man zahlreiche ‘Squares‘. Diese Miniatur-Grünräume sind tolle Rückzugsorte mitten in der Innenstadt. Diese kleinen und zentralen Grünanlagen sind sehr simpel gestaltet: ein paar Bänke, Bäume und kleine Spielgeräte für Kinder. Diese öffentlichen Flächen unterscheiden sich in ihrer Funktion und Gestaltung von klassischen öffentlichen Plätzen. Die bauliche Umrandung mittels eines Zauns und durch Grünelemente ermöglicht eine kleine Pause abseits des geschäftigen Innenstadt-Trubels. Aktuell entstehen in der Hamburger City zahlreiche neue Projektentwicklungen. Um eine lebenswertere Innenstadt zu gestalten, sollte dabei die Schaffung solcher kleinen öffentlichen Ruheoasen nicht vergessen werden“.  

Claire Piqueret, Projektleiterin Business Improvement Districts bei der Otto Wulff BID GmbH, M.A. Städtebaupolitik, Sciences Po Paris

Was meinen Sie? Wie kann Hamburg die Stadt lebenswerter gestalten? Welche Maßnahmen müssen zukünftig umgesetzt werden, damit wir alle besser zusammenleben können?

Wir freuen uns über Ihre Idee!

Über die Trend-City-Studie

In Zusammenarbeit mit Statista Research & Analytics wurden für insgesamt zehn Städte – darunter Tel Aviv – spezifische Treiber identifiziert, die zum Erfolg der Stadt beigetragen haben. Hierfür wurden quantitative und qualitative Informationen ausgewertet. Die Ergebnisse dienen als Inspiration für die Entwicklung der Strategie „Hamburg 2040“.

Fotonachweis: www.parisinfo.com

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