3 Fragen an Michael Eggenschwiler: Ist Wasserstoff der Energieträger der Zukunft?

Michael Eggenschwiler ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Hamburg Airport sowie Vorsitzender der Wasserstoff- Gesellschaft Hamburg e. V., die
die Einführung der umweltfreundlichen Wasserstoff-Energie in die Energiewirtschaft fördert und in der Öffentlichkeit für den Wasserstoff wirbt.

Herr Eggenschwiler, warum spielt Wasserstoff eine so große Rolle in der Zukunft?

Deutschland, Europa und Hamburg haben es sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 treibhausgasneutral zu sein.[1] Das kann nur gelingen, wenn wir in vielen Wirtschaftssektoren die Prozesse dekarbonisieren, also CO2-frei gestalten. Hierbei spielt der Wasserstoff eine Schlüsselrolle, insbesondere für den Industriebereich, aber auch für den Verkehrssektor. Denn er lässt sich theoretisch ganz einfach und emissionsfrei aus Wasser und erneuerbar erzeugtem Strom herstellen.

Momentan fehlen dazu aber noch die Erzeugungsanlagen und die passende Infrastruktur. Außerdem gibt es für eine Massenanwendung bisher auch nicht genug „grünen“ Strom. Als Wasserstoffgesellschaft Hamburg arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern daran, das zu ändern.

Wofür setzen Sie am Flughafen Hamburg bereits Wasserstoff ein?

Neben den ersten brennstoffzellenbetriebenen PKWs in unserer Flotte sind wir an der Entwicklung eines H2-Gepäckschleppers für den Vorfeldeinsatz beteiligt. Da unsere aktuell verwendeten erdgasbetriebenen Schlepper in Zukunft nicht weiter produziert werden, haben wir nach einer geeigneten emissionsfreien Alternative für die kommenden Dekaden gesucht. Zusammen mit Partnerunternehmen konnte ein vielversprechender Prototyp entwickelt werden, welcher erfolgreich bei uns in Hamburg eingesetzt wurde. Die im Praxistest gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung des Brennstoffzellenschleppers hin zu einem Serienmodell mit ein, so dass wir voraussichtlich ab Herbst dieses Jahres das erste Fahrzeug in einer für uns geeigneten Leistungsklasse vollumfänglich am Flughafen Hamburg einsetzen können.

Im Laufe der kommenden Jahre erfolgt dann die Umstellung der gesamten Gepäckschlepperflotte, welche mit „grünem“ Wasserstoff betrieben wird.

Neuer Wasserstoffschlepper des Flughafen Hamburg

Warum ist Norddeutschland für den Aufbau einer „grünen“ Wasserstoffwirtschaft besonders prädestiniert?

Wasserstoff wird mittels Elektrolyse – der Trennung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff – erzeugt. Der Strom dafür soll natürlich aus erneuerbaren Energien kommen. In Norddeutschland haben wir perspektivisch ein großes Aufkommen an Windstrom, das wir hierfür einsetzen können. Über die norddeutschen Häfen kann zudem Wasserstoff importiert werden, was wir zumindest mittelfristig auch benötigen werden.

Um eine norddeutsche Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, sind die fünf norddeutschen Bundesländer und die IHKs daher gemeinsam aktiv – ein Ziel, für das sich die Wasserstoffgesellschaft schon seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren einsetzt. Wir wollen Norddeutschland dadurch wirtschaftlich und technologisch voranbringen und zu einer führenden Modellregion für „grünen“ Wasserstoff entwickeln. Deshalb veranstalten wir am 15. Juni zum zweiten Mal das International Hydrogen Symposium und bringen Politiker und Experten zusammen.

Hintergrund: Was ist überhaupt „grüner“ Wasserstoff?

Wasserstoff ist grundsätzlich farblos. Je nach Ursprung, spricht man allerdings von „grünem“, „blauen“, „türkisem“ oder „grauem“ Wasserstoff. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. Er ist damit 100% CO2-frei und eine klimaneutrale Zukunft wird es nur mit Grünem Wasserstoff geben. Am häufigsten wird heute noch der Graue Wasserstoff genutzt, der mithilfe von Erdgas oder Kohle produziert wird. Blauer Wasserstoff ist grauer Wasserstoff, dessen CO2 bei der Entstehung jedoch abgeschieden und gespeichert wird. Türkiser Wasserstoff ist Wasserstoff, der über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde.


[1] Innerhalb der Standortstrategie „Hamburg 2040“ soll Hamburg sogar bis 2040 klimaneutral werden.

Bildnachweis: norman blue – Fotolia, Pressebilder Airport Hamburg

2 Antworten

  1. Lieber Herr Eggenschwiler,

    Ihre Ziele zu einem Wasserstoff-Cluster Hamburg begeistern mich. Ich frage mich, wie sie die notwendigen Mengen darstellen wollen. An anderer Stelle konnte ich lesen, dass Sie an den Import von Wasserstoff denken. Haben wir dafür bereits die logistischen Strukturen?
    Meine Kollegen und ich haben erst in der jüngeren Vergangenheit Studien zu dem Thema Erzeugung von Wasserstofferstellt. Persönlich bin ich bereits seit den Neunzigern auf diesem Thema unterwegs. Entwicklung der Metallhydridsoeichertechnik oder Betriebsleitung Wasserstoff im Rhein-Ruhr-Gebiet u.v.a.m. Daher würden wir gern mit Ihnen und Ihrem Team zu diesen Fragen ins Gespräch kommen.

    1. Lieber Herr Kneißel,
      vielen Dank für Ihre Rückmeldung und Ihr Interesse an dem Thema. Sehr gerne melden sich die Kollegen von der Wasserstoff-Gesellschaft bei Ihnen. Ich habe dazu Ihren Kontakt weitergegeben. Sie finden aber auch hier weitere Infos und einen Kontakt: https://www.h2hamburg.de/. Viele Grüße, Ihr Hamburg2040-Team

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