3 Fragen an: Lukas Kaestner vom Sustainable Aero Lab

Das Ziel des Sustainable Aero Labs ist der Prozess des Wissenstransfers zwischen Hochschulen, Start-ups, gestandenen Unternehmerinnen und Unternehmern, und Konzernen. Alle Teilnehmenden treffen sich im Zweimonatsrhythmus, um Ideen auszutauschen und Start-ups konzentriertes Feedback zu geben. Die erste Lab Session, für die sich Start-ups bewerben konnten, ist bereits abgeschlossen. Im Dezember startet die zweite Runde.

Wie viele Start-ups haben sich beworben und welches Projekt war besonders spannend?

Wir haben in den ersten drei Sessions bislang elf Start-ups aus fünf Ländern betreut. Unsere „Longlist“ ist natürlich deutlich größer, aber wir haben strenge Auswahlkriterien, da wir unsere Mentoren, die allesamt ehrenamtlich im Programm sind, natürlich auch nicht „überfrachten“ können. Die inhaltliche Bandbreite der Start-ups ist bereits heute sehr hoch, das ist das eigentlich Spannende an dem Projekt. Wir haben von smarten Softwarelösungen für Slot-Management überemissionsfreie Frachtflugzeuge, autonome und besonders effiziente Vorfeldsteuerungen bis hin zu neuartigen Batterielösungen aus dem Silicon Valley allein in den ersten sechs Monaten eine unglaubliche Vielfalt erlebt. Das macht Mut, dass wir in der Luftfahrtindustrie noch spannende Innovationen sehen werden, die einen nachhaltigen Wandel zu mehr Klimafreundlichkeit greifbar machen.

Was ist aus Ihrer Sicht der vielversprechendste Trend, bzw. die größte Hoffnung für die nachhaltige Luftfahrt in 20 Jahren?

Die Luftfahrt ist eine Emissionsbranche – das muss sich langfristig ändern. Eine emissionsfreie Luftfahrt ist möglich, aber in der Umsetzung leider nicht so trivial, wie es bei anderen Transportsegmenten wie der bodengebundenen Elektromobilität der Fall ist. Daher ist es wichtig, dass wir diese Jahrhundertaufgabe nicht innerhalb „der eigenen Familie“ angehen, sondern uns für neue Akteure öffnen und schauen, wo wir aus anderen Communities lernen können. Ein Beispiel ist die Schnelligkeit und Offenheit, wie sie in der Tech- und Gründerszene herrscht.

Eine emissionsfreie Luftfahrt wird sich nicht durch die eine bahnbrechende Lösung erzielen lassen. Stattdessen werden wir einen Mix von Technologien und Produkten sehen, um dieses Ziel Realität werden zu lassen. Dazu zählen der massive Ausbau von synthetischen Kraftstoffen (Sustainable Aviation Fuels, SAF), elektrischem Fliegen (wobei hier noch sehr viele Limitationen herrschen) sowie Wasserstoffantrieben (diese Technologie ist für die Luftfahrt ganz besonders spannend). Es zählen aber auch andere, ganz pragmatische Elemente dazu: wie ein besseres Luftraummanagement, sodass weniger Kerosin in Warteschleifen verflogen wird; oder die effizientere Anbindung von Flughäfen an das Fernverkehrsnetz der Bahn, damit man auf kurzen Strecken häufiger auf das Flugzeug verzichten kann.

Inwiefern hilft das Sustainable Aero Lab, Hamburg als Top-Luftfahrtstandort zu etablieren?

Hamburg zählt bereits heute zu den drei weltweit größten Standorten der Luftfahrtindustrie. Daher sollte es unser Selbstverständnis sein, dass wir uns auch in das Jahrhundertthema unserer Branche – die Dekarbonisierung des Fliegens – sichtbar einbringen und eine international hörbare Stimme sind. Eine Herausforderung dieser Größenordnung lässt sich zudem nicht als einzelner Standort „anpacken“. Globale Herausforderungen müssen wir auch global diskutieren. Das Sustainable Aero Lab ist hierfür eine hervorragende Plattform. Wir haben mit dem Lab ein weltweit agierendes Netzwerk geschaffen, in dem ein Who-is-Who der Luftfahrt und der Venture Capital-Szene, aber auch junge Unternehmen aus dem Bereich sustainable Aviation eingebunden und gleichzeitig mit dem Standort Hamburg verbunden werden. Hamburg positioniert sich damit sichtbar an vorderer Stelle des Austauschs rund um eine emissionsfreie Luftfahrt. Das ist für unseren Standort ein starkes Signal.

Über Lukas Kaestner

Lukas Kaestner verantwortet u.a. den Markenauftritt sowie die Öffentlichkeitsarbeit von Hamburg Aviation und ist Mitgründer des Sustainable Aero Labs. Er ist zuständig für alle Kommunikationsmaßnahmen und laufenden öffentlichen Auftritte des Clusters und erster Ansprechpartner für Presseanfragen.

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